Unser Lexikon

Diabetes mellitus Typ 1

Der Typ-1-Diabetes betrifft in den letzten Jahren immer mehr Menschen.
Ca. 10% der Diabetiker leiden an dieser Form des Diabetes. Trotz vielversprechender Forschungsergebnisse zur Früherkennung oder vorbeugenden Behandlung von Patienten mit Typ-1-Diabetes, gibt es bis heute keine Möglichkeit der definitiven Heilung.
Es handelt sich beim Typ-1-Diabetes um einen Insulinmangeldiabetes, der meist im Kindes- und Jugendalter, aber auch bis ins Erwachsenenalter hinein auftreten kann. Der Diabetes entsteht durch eine autoimmun vermittelte Entzündungsreaktion, bei der nach und nach die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden und die körpereigene

Insulinproduktion nachlässt und schließlich versiegt. Um lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisungen zu verhindern, muss die fehlende Insulinproduktion durch eine Insulingabe ersetzt werden. Da die Insulinausschüttung des Körpers individuell unterschiedlich ist und sich je nach Ernährung, Bewegung und Lebensalltag unterscheidet, ist eine Insulintherapie stets eine individuelle, auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene Therapie. Die Diabetestherapie fordert von den betroffenen Patienten jeden Tag viele Entscheidungen, die von der Betroffenen/dem Betroffenen eigenverantwortlich und selbstständig getroffen werden müssen. Hierfür bedarf es einer entsprechenden Schulung, Beratung und langfristigen, sachkundigen Betreuung.

Diabetes mellitus Typ 2

Mit 90-95% nehmen die Patienten mit Typ-2-Diabetes den größten Anteil der Diabetiker ein. Kennzeichnend für diese Diabetesform ist im Gegensatz zu den anderen Diabetesformen (außer Schwangerschaftsdiabetes) eine Insulinresistenz. Insulinresistenz bedeutet, dass das körpereigene Stoffwechselhormon Insulin seine Steuerungsaufgaben im Energiestoffwechsel des Körpers nicht mehr ausreichend erfüllen kann, weil die Zielorgane (hauptsächlich Muskulatur, Fettgewebe und Leber) nicht mehr ausreichend auf das Insulin ansprechen. Die Bauchspeicheldrüse muss entsprechend mehr Insulin produzieren. Diese „Mehrproduktion“ und verschiedene andere Faktoren, die bis heute nicht bis ins kleinste Detail entschlüsselt wurden, führen auf Dauer

zu einer Schädigung der insulinproduzierenden Zellen und letztlich zu den Stoffwechselstörungen, die den Typ-2-Diabetes ausmachen. Das Krankheitsbild beschränkt sich hierbei nicht nur auf den Zuckerstoffwechsel. Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, eine erhöhte Harnsäure, ein erhöhter Blutdruck und andere Störungen gehen Hand in Hand. Eine umfassende Therapie des Diabetes mellitus vom Typ 2 beinhaltet meist auch eine fachkundige Unterstützung bei der Gewichtsreduktion. Wir möchten unsere Patienten durch eine angepasste Auswahl der Medikamente und eine individuelle Beratung bei dem Ziel der Gewichtsreduktion unterstützen und sie auf dem beschwerlichen Weg begleiten.

Hypoglykämiewahrnehmungsstörung

Stark schwankende Blutzuckerwerte und immer wiederkehrende Unterzuckerungen können neben einer Schädigung des autonomen Nervensystems zu einer gestörten Wahrnehmung von Unterzuckerungen führen. In Extremfällen treten selbst bei Werten um 20-30mg/dl keine oder nur kaum Warnsymptome einer Unterzuckerung auf.
Neben der unmittelbaren gesundheitlichen Gefährdung der Patienten durch den

geringen  „Puffer“ zum Koma im Rahmen einer Unterzuckerung, dürfen Patienten mit einer Hypoglykämiewahrnehmungsstörung nicht am Strassenverkehr aktiv teilnehmen. Um die Wahrnehmung von Unterzuckerungen wieder zu verbessern Es wurden entsprechende Schulungsprogramme entwickelt, um durch eine Anhebung des Blutzuckerniveaus und eine Stabilisierung der Schwankungen die Wahrnehmung wieder zu verbessern.

Adipositas

Parallel zur Häufung des Diabetes mellitus in den letzten Jahrzehnten, leiden immer mehr Menschen an Übergewicht. Die behandlungsbedürftige Fettleibigkeit (Adipositas) ist durch die fehlende Akzeptanz als Krankheit noch immer mit einer Stigmatisierung und Vorverurteilung der Betroffenen

verbunden. Übergewicht lediglich durch eine selbstverschuldete, fehlende Selbstkontrolle oder durch eine mehr oder weniger bewusste Maßlosigkeit zu erklären, greift anhand der aktuellen Studiendaten zu kurz und hilft den Patienten nicht bei dem Ziel der Gewichtsreduktion.

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

In den letzten Jahren haben groß angelegte Studien belegen können, daß eine normnahe Blutzuckereinstellung von Schwangeren das vorgeburtliche und geburtshilfliche Risiko für Mutter und Kind senkt. Dementsprechend wird empfohlen, alle Schwangeren auf einen Schwangerschaftsdiabetes zu untersuchen (Screening). Hierbei hat sich ein zweischrittiges Verfahren mit einem 50g-test und einem ggf. anzuschließenden 75g-Test bewährt.
Jede Schwangere mit einem auffälligen Befund sollte im weiteren Verlauf in enger Kooperation zwischen Gynäkologin/Gynäkologen und einer diabetologischen Schwerpunktpraxis betreut werden. Dies umfasst nicht nur

eine umfassende Ernährungsberatung und ggf. Einstellung und Begleitung einer Insulintherapie, sondern erfordert eine engmaschige individuelle Betreuung. Eine Schwangerschaft an sich ist häufig mit Ängsten, Sorgen und Erwartungen verbunden, die die Frauen verunsichern. Tritt ein weiterer Faktor, wie die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes hinzu, stellt dies oft eine enorme Belastung, gerade für Frauen in der ersten Schwangerschaft, dar. Wir sehen unsere Aufgabe daher nicht nur in der rein therapeutischen, sondern auch in der psychosozialen Betreuung. gerne können Sie auch gemeinsam mit Ihrem Partner an den Schulungsterminen teilnehmen.

Diabetes mellitus Typ 1 und Schwangerschaft

Auch wenn Patientinnen mit einem Typ-1-Diabetes oft langjährige Erfahrung in der Behandlung „ihres“ Diabetes haben, stellt eine geplante oder bereits eingetretene Schwangerschaft die Patientinnen vor eine neue „Herausforderung“. Eine gute Einstellung ist plötzlich nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Kind immens wichtig. Neben der intensivierten Insulintherapie stehen mit Insulinpumpen und Sensorsystemen heutzutage

Hilfsmittel zur Verfügung, die eine gute und nachhaltig sichere Einstellung ermöglichen.
Gerne beraten wir Sie im Vorfeld und begleiten und unterstützen Sie in der Schwangerschaft. Dies umfasst auch die Beantragung, Einstellung und Betreuung einer Insulinpumpentherapie mit/ohne CGMS.

CGMS / FGMS

In den letzten Jahren hat es deutliche Fortschritte in der Entwicklung der technischen Hilfsmittel zur Diagnostik und Behandlung von Diabetikern gegeben. Hohe Messgenauigkeit, einfache Handhabung und Anbindung an eine Auslesesoftware oder Apps sind heute überwiegend Standard bei Messsystemen. Durch Weiterentwicklungen in der Sensortechnik steht neben der kontinuierlichen Glukosemessung über einen Sensor im Unterhautfettgewebe (CGMS) mit dem FGMS (flash-glucose-monitoring) eine Möglichkeit zur Verfügung, engmaschig und im Falle des CGMS, in Echtzeit,

Auskunft über die aktuelle Stoffwechselsituation zu bekommen. Durch Kopplung der Sensoren mit einer Insulinpumpe und einen automatisierten Algorithmus ist man einem in sich geschlossenen System im Sinne einer „künstlichen Bauchspeicheldrüse“ einen Schritt näher gekommen.
Durch die Qualifikation und die regelmäßige Fortbildung unseres Diabetesteams können wir Sie aktuell und umfassend beraten, bei der Beantragung der Kostenübernahme unterstützen und die weitere Therapie begleiten.

Jugendliche mit Diabetes mellitus

Diabetes mellitus gehört zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Meist kommt es bei den Kindern zu ausgeprägten Beschwerden bei Auftreten der Erkrankung, so daß eine stationäre Behandlung unumgänglich ist. An diese Erstbehandlung schließt sich eine auf das Alter des Kindes abgestimmte Schulung in enger Kooperation mit den Eltern an. Die Betreuung in den Kinderkliniken erfolgt im weiteren Verlauf meist in Form einer Tagesklinik und berücksichtigt den Entwicklungsstand und vor allem das psychosoziale Umfeld des Kindes in Kindergarten und Schule. Mit dem Eintritt in die Pubertät gestaltet sich die Diabeteseinstellung der Kinder häufig schwierig. Dies ist zum einen in den altersentsprechenden Veränderungen in der Pubertät

begründet, zum anderen ist die „Lebensweise“ der Heranwachsenden nicht immer mit einer guten Stoffwechseleinstellung vereinbar. Gerade der Übergang von der pädiatrischen Betreuung in die „Erwachsenendiabetologie“ gestaltet sich häufig schwierig und nicht selten gelangen die Patienten erst wieder im Rahmen einer akuten Stoffwechselentgleisung in eine kontinuierliche Betreuung.  Wir möchten  in Zusammenarbeit mit den betreuenden Kinderdiabetologen erreichen, diesen Übergang möglichst reibungslos zu gestalten. Neben den medizinischen „Problemen“ rücken dabei auch Fragestellungen wie Führerschein, Berufswahl und Familienplanung in den Fokus des Interesses.

Diabetisches Fußsyndrom

Das Diabetische Fußsyndrom ist sicherlich eine der Komplikation des Diabetes, die die Betroffenen am stärksten in Ihrer Lebensführung beeinträchtigt. Obwohl 15% der Diabetiker im Laufe Ihres Lebens aufgrund dieser Komplikation eine amputierende Operation erhalten, ist das Diabetische Fußsyndrom eines der am meisten vernachlässigten Folgeprobleme des Diabetes. Auf der Grundlage einer Nervenschädigung kommt es meist durch hinzutretende kleinere Verletzungen zu schlecht heilenden Wunden, die durch Infektion, schlechter Durchblutung

und letztlich auch nicht sachgerechter Therapie zu dem Verlust einer Zehe, eines Fußes oder einer Extremität führen können. Die Betreuung der Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom ist langwierig und fordert von allen Beteiligten, insbesondere dem betroffenen Patienten, ein hohes Maß an Geduld und konsequenter Therapietreue. Eine Therapie kann nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausarzt, Pflegedienst, Diabetologe, Gefäßchirurg, Podologie, Wundexperten und Schuhtechniker erfolgreich sein.